Archiv der Kategorie 'schwank aus der jugend'

Die Blume in der Oetinger Villa in Darmstadt

Nachdem ich gegen 1994 meine damaligen Punkband Kalte Zeiten verließ, gründete ich im südhessischen Bensheim mit meinem Cousin und dem späteren Egotronic-Member Hörm eine neue Punkband mit Namen VSK (Verstrahlte Sektor Kids). Wir wollten auf eine andere Art politische und weit schrägere Musik machen, als es mit Kalte Zeiten möglich gewesen war.
Eines abends besuchten wir nach dem Proben stark trunken das selbstverwaltete Kulturzentrum Oetinger Villa in Darmstadt. Da mein Cousin -warum auch immer- eine schwarze Sprühdose bei sich trug, nutzten wir einen unbeobachteten Moment, um in der großen, prächtigen Eingangshalle unser Bandlogo, eine radioaktive Blume, zu hinterlassen. Die Betreiber der Villa waren alles Andere als begeistert, war es doch Auflage, dass die Wände in der Halle immer weiß bleiben mussten. Ein hauseigener jugentlicher Malertrupp aus Freiwilligen ging deshalb einen Tag später daran, unser Logo weiß zu übermalen. Lustigerweise waren sie nicht sonderlich motiviert, weshalb sie die Blume und das zugehörige gekrickel einfach nachmalten, um Zeit zu sparen. Das hatte zur Folge, das unser wundervolles Logo (Ich hab es bis heute als Tattoo auf meinem rechten Schulterblatt. Stilecht punk vom damaligen Drummer gestochen.) nach wie vor einwandfrei zu sehen war. Ausgezeichnet!

Gestern nun klemmte mir der von mir hoch geschätzte Foto-Journalist und Literat Sören Kohlhuber mit den Worten „Schönen Gruß an Torsun Burkhardt aus Darmstadt. Schöne Blume haste hier hinterlassen…“ ein Foto an die Facebook-Pinwand. Und siehe da: Kaum 22 Jahre später ist das Ding immer noch gut sichtbar:

P.S.:
Um sich ein Bild unseres Sounds machen zu können, gibt es hier noch einen Song von VSK, den ich irgendwann nach der Bandauflösung noch einmal mit Hörm aufnahm.

Teil 4: Eine gute Trampstelle…

…oder: Wie das Cover-Foto für „Die Natur ist dein Feind“ entstand.

Fortsetzung von Teil 1, Teil 2 und Teil 3

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Was bisher geschah:
Torsun und Hörm, zwei junge Provinz-Punks aus Bensheim an der Bergstraße, welches im Vorhof der Hölle Südhessens -genannt Odenwald- liegt, beschließen eine Reise in die große Stadt (Berlin) zu unternehmen. Nachdem sich Torsun durch widerrechtliche Aneignung einer Krankschreibung Urlaub vom Arbeitsamt erschlichen hat, steht dem Vorhaben nichts mehr im Wege. Stark bekifft packen die Beiden ihre Sachen und machen sich auf den Weg zu ersten Trampstelle. Bals schon müssen sie feststellen, dass ihre Planung nur semi-gut gelaufen ist.
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Wir erwachten in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages. Gut gelaunt und optimistisch, die Strecke nach Berlin bald schon geschafft zu haben, tingelten wir zwecks notdürftiger weil notwendiger Körperpflege erstmal in die Raststädte. Nachdem das erledigt war, wurde es wirklich höchste Zeit, eine anständige Tüte zu bauen, weshalb wir uns erstmal wieder in die Büsche schlugen, denn mal im Ernst: wer hält es schon nüchtern als Tramper auf deutschen Autobahnen aus?
Kaum dass wir aufgeraucht hatten überkam uns höllischer Durst, der unbedingt gestillt werden wollte. Leider hatten unsere Wasservorräte die letzte Nacht nicht überstanden, weshalb wir beschlossen, etwas von unserem mitgenommenen Zitronentee-Granulat in die leeren Flaschen zu schütten und diese dann an den Waschbecken der Raststädte nachzufüllen. Dies gestaltete sich weit schwieriger als vermutet, denn kaum dass wir mittels eines zu einem Trichter gerollten Flyers erfolgreich das Granulat in unseren Flaschen versenkt hatten und an den Waschbecken ankamen, musste wir feststellen, dass der Abstand von Hahn zu Becken so gering war, dass die Flaschen nicht dazwischen passten. Na gut, sie passten nicht nicht dazwischen, aber leider Gottes nur so schräg, das die so aufgenommene Flüssigkeit gerade so dazu ausreichte, um den eingestreuten Zitronentee in einen süß schmeckenden Schlamm zu verwandeln, der zu allem, inklussive Spachtelmassen-Ersatz im Baugewerbe geeignet war, nur eben nicht zum Durst löschen, den wir aber -warum auch immer- sicherheitshalber trotzdem in unseren Rucksäcken verstauten. Zur Flüssigkeitsaufnahme nahmen wir einfach ein paar Schluck direkt aus dem Hahn, bevor wir uns endlich anschickten, loszutrampen.
Es dauerte nicht lange, bis ein Herr mittleren Alters anhielt und versprach, uns ein großes Stück Richtung Berlin mitzunehmen. Wir stiegen ein. Unsere Frage, ob es dort, wo er unsere Route verlassen musste eine Raststädte gäbe, verneite er mit dem Hinweis, dass er eine äußerst gute Trampstelle kennen würde, an der er früher selbst desöfteren gestanden hätte und die in Punkto Tramptauglichkeit einer Raste mindestens ebenbürtig sei. Das hätte uns eigentlich stutzig machen sollen, ja sogar müssen, aber für Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Ausführungen waren wir schlicht zu breit. Wir wollten vertrauen. Dieses Vertrauen wurde jedoch in seinen Grundfesten erschüttert, als er mit der Aussage „Hier ist die Trampstelle. Sie mag zwar nicht so aussehen, ist aber dennoch gut geeignet.“ völlig unerwartet auf dem Standstreifen eines Autobahnkreuzes anhielt und uns die Tür wies. Viel zu perplex für Widerworte fanden wir uns plötzlich allein zu zweit mitten auf einer Autobahn wieder. Und eins war uns umgehend klar: Hier hatte vor uns garantiert noch niemand sein Glück als Tramper versucht!


(Der Autor stellt fest, dass die gepriesene Trampstelle doch nicht so gut geeignet ist, wie behauptet.)

Hier standen wir also. In der prallen Sonne ohne Chance auf Schatten und -was noch viel schlimmer war- Flüssigkeit, außer dem Zitronentee-Matsch am Grund unserer Flaschen. Wir wollten uns schon zum Sterben an den Straßenrand legen, als uns plötzlich ein Mann mit Benzinkanister auffiehl, der mit rausgestrecktem Daumen, den für einen Autobahnwechsel gedachten Zubringer entlang in unsere Richtung lief. Kaum dass er uns erreicht hatte, hielt tatsächlich ein Wagen, um ihn einsteigen zu lassen. Wir konnten unser Glück kaum fassen, sprangen auf und fragten den Fahrer, ob er uns ebenfalls bis zur nächsten Tankstelle mitnehmen könnte. Er verneinte und beeilte sich loszufahren, um -so vermuteten wir- unsere enttäuscht dreinschauenden Fressen nicht länger ertragen zu müssen. Was sollten wir nur tun?

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Wir überlegen in der Zwischenzeit, ob wir wegen ihrer Bestellung diesen Hunde-Welpen verschonen, oder ihn genau deshalb abknallen sollen:

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Hörm hatte die passende Lösung parrat: Erstmal einen bauen. Dies gestaltete sich jedoch wieder einmal bedeutend schwieriger als gedacht, denn zu allem überfluss mussten wir feststellen, dass wir irgendwo unterwegs unser Feuerzeug eingebüßt hatten. Fickende Hölle! Wir überlegten hin und her, wie denn nun weiter zu verfahren sei, fanden aber keine andere Lösung, als die, den letzten Klumpen Hasch, den wir besaßen, in zwei gleich große Teile zu teilen und ohne die Hilfe von Wasser oder sonstiger Flüssigkeit zu kauen und zu schlucken. Gesagt, getan! Mit Zitronentee-Granulat pur bekämften wir den üblen Geschmack im Mund und hofften, dass die bald einsetzende Breitheit unsere Situation wenigstens etwas weniger aussichtslos würde erscheinen lassen.

Fortsetzung folg

Teil 3: Aufbruch…

…oder: Wie das Cover-Foto für „Die Natur ist dein Feind“ entstand.

Fortsetzung von Teil 1 und Teil 2

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Was bisher geschah:
Torsun und Hörm, zwei junge Provinz-Punks aus Bensheim an der Bergstraße, welches im Vorhof der Hölle Südhessens -genannt Odenwald- liegt, beschließen eine Reise in die große Stadt (Berlin) zu unternehmen. Nachdem sich Torsun durch widerrechtliche Aneignung einer Krankschreibung Urlaub vom Arbeitsamt erschlichen hat, steht dem Vorhaben nichts mehr im Wege, außer, dass sich das sinnvolle Packen im bekifften zustand schwieriger gestaltet, als gedacht.
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Durch übermäßigen THC-Genuss etwas angeschlagen, begannen wir unsere Taschen zu packen. Neben jeweils 2 Paar Unterhosen, Socken und Shirts, lag unser Hauptaugenmerk auf Proviant für die 600 Kilometer, die vor uns lagen und trampend zurückgelegt werden wollten. Deshalb verstauten wir etliche Packungen Manner Waffeln, eine Packung Zitronentee Granulat, jeweils eine 1,5 Liter Flasche Wasser, ein Päckchen Schwarzer Krauser Tabak und einen stattlichen Klumpen Haschisch in unseren Rucksäcken. Geld hatten wir nicht, waren aber sicher, uns unterwegs Welches erschnorren zu können.
Nachdem -so dachten wir zumindest- unsere Reiseausrüstung komplettiert war, verabschiedeten wir uns mit zwei oder 3 Bongköpfen bei unseren Mitbewohnern und Hausgästen, und machten uns auf den Weg zum Rasthof Bergstraße, der etwa 3 Kilometer Fußmarsch von unserer wundervollen Bleibe entfert lag. Dort angekommen, beschlossen wir, zur Belohnung für die absolvierte Wanderung erst einmal ein Tütchen zu rauchen, was sich allerdings gar nicht so einfach gestaltete, da wir feststellen mussten, dass wir zwar Tabak und Feuer, aber keinerlei Blättchen unser Eigen nennen konnten. Kurz entschlossen pilgerte Hörm zur Tankstelle, um Geld für, und dann Blättchen aufzutreiben, während ich mich in die Büsche schlug, um in der Zwischenzeit eine Mischung fertigzustellen. Als Hörm -stolz die Papers vor sich hertragend- endlich zurück kam, hatte ich in Gedanken versunken viel zu viel Haschgift aufgebröselt. Wir beschlossen dennoch, Alles in eine Tüte zu buxieren. Was sollten wir mit den übflüssigen THC-Streuseln auch anderes anfangen?
Nachdem wir die Tüte aufgeraucht hatten, fühlten wir uns nicht mehr dazu in der Lage, Menschen an der Tanke um eine Mitfahrt zu bitten, weshalb wir uns hoch motiviert für die klassische Trampvariante mit ausgestrecktem Daumen an der Ausfahrt entschieden.

(Käme ein Auto vorbei, würde es sich eventuell lohnen, den Daumen rauszuhalten. Ein Ausschnitt dieses Bildes wird übrigens Cover der ersten Single-Auskopplung von „Die Natur ist dein Feind“)

15-30 Minuten später, wir hatten immer noch keinen Fahrer aufgetrieben, spürten wir, wie gnadenlos THC-injizierte Müdigkeit die Kontrolle sowohl über unsere Körper, als auch unseren Geist übernahm, weshalb wir beschlossen, uns ein ruhiges Plätzchen im Gebüsch zu suchen und erst einmal ein paar Stunden zu schlafen. Schließlich wurde es langsam Dunkel und die schlimmste Etappe unserer Reise -verlassen der Wohnung- hatten wir ja immerhin gemeistert…

Fortsetzung folgt

Teil 2: Durchstarten…

…oder: Wie das Cover-Foto für „Die Natur ist dein Feind“ entstand.

Fortsetzung von Teil 1.

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Was bisher geschah:
Torsun und Hörm, zwei junge Provinz-Punks aus Bensheim an der Bergstraße, welches im Vorhof der Hölle Südhessens -genannt Odenwald- liegt, beschließen eine Reise in die große Stadt (Berlin) zu unternehmen. Genosse Torsun, der zu diesem Zeitpunkt ein Zwangsverhältnis mit dem ortsansässigen Arbeitsamt durchstehen muss, beschließt, auf die Krankheitskarte zu setzen (Sehnenscheidenentzündung), um sich so aus den Fängen der gnadenlosen Maßregelungsbehörde zu befreien. Der Plan scheint aufzugehen.
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Nachdem wir durch massives Kiffen einen weiteren Tag in unserem geliebten Haus -genannt Loch- kleben geblieben waren, wollten wir am nächsten Morgen endlich durchstarten. Hörm und ich standen dementsprechend relativ früh auf und genehmigten uns mit ein Paar Hausgästen (davon gab es im Loch immer viele), die auch schon auf den Beinen waren, weil sie sich bereit erklärt hatten Frischdienst* zu machen erstmal einige Frühstück-Bongs.
Etliche Mischungsschalen später -es war mittlerweile schon wieder Nachmittag- sollte es dann endlich losgehen. Um für den Fall, dass uns auf dem Weg zur ersten Trampstelle, dem Rasthof Bergstraße, meine Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt über den Weg laufen sollte, Irritationen vorzubeugen, bat ich einen weiteren Hausgast darum, mir einen damals bei Sehnenscheidenentzündung üblichen Verband anzulegen. Er tat, wie ihm geheißen und wurde somit Teil des Bildes, das für die aktuellen Tourplakate für die „Die Natur ist dein Feind“-Konzertreise auserkoren wurde:

Ich war somit perfekt für alle unerwünschten Begegnungen auf der Straße präpariert und bereit für die Reise in die große Stadt. Keine frage, dass das mit dem ein oder anderen Bongkopf gefeiert werden musste.

(Ein frisch verbundener Torsun posiert mit Mitbewohner und Vaters Hund, auf den er ab und an aufpasste, für das Poesiealbum der anstehenden Berlinreise.)

Die ein oder andere weitere Mischung später, beschlossen Hörm und ich, endlich zu Packen, zumal es mittlerweile Nachmittag geworden war und wir ja immerhin noch über 600 Kilometer vor uns hatten. Leider sollte sich herausstellen, dass Kiffen der denkbar schlechteste Berater für diese vor Reisebeginn unverzichtbare Tätigkeit ist….

Fortsetzung folgt

*Frischdienst: Frischdienst nannte man das früh morgentliche Essen klauen an Supermärkten. An Supermärkten, weil diese immer in extrem frühen Morgenstunden -und nicht während der Öffnungszeiten- beliefert wurden. Gerade in einer Kleinstadt wie Bensheim verhielt es sich dann so, dass die Waren für einen kurzen Zeitraum unbewacht draußen vor dem Eingang oder in einem dem Laden zugehörigen Hinterhof gelagert wurden, was uns -die wir unter chronischem Geldmangel litten- natürlich sehr zu Pass kam, da wir so regelmäßig Zugang zu kostenfreiem Frischfutter hatten.

Teil 1: Zwei Punks reisen nach Berlin…

…oder: Wie das Cover-Foto für „Die Natur ist dein Feind“ entstand.


Nach langen Überlegungen und Versuchen, hatten Lewe und Artur (Audiolith) die Idee, dass das Cover zum kommenden Egotronic-Album „Die Natur ist dein Feind“ aus alten Punkrock-Bildern bestehen könnte. Und weil wir alle die Idee gut fanden, traf ich mich umgehend mit Egotronic-Gründungsmitglied Hörm, um alte Fotos zu sichten.
Hier nun der erste Teil der Geschichte zum Foto, für das wir uns letztendlich entschieden:


Mitte der 90er wohnte ich unter anderem mit Ex-Egotronicer Hörm in einem Punker-Haus in Bensheim an der Bergstraße, das von all seinen Bewohnern liebevoll „das Loch“ genannt wurde. Es war eine runtergerockte Hütte, die neben einem Kino lag, welches allerdings schon vor unserem Bezug einem Parkplatz weichen musste und deshalb abgerissen wurde.


(Rechts neben dem Kino mit dem schmucken Namen Apollo sieht man das Haus mit dem weniger schmucken Namen, „das Loch“.)

Mit uns hausten dort massenhaft Mäuse, die aber glücklicher weise von Ratten, die uns entlaufen waren, vertrieben wurden. Die unglücklicher weise nun folgende Ratten-Plage wurde mit der Zeit so übermächtig, dass wir uns Nachts in der Küche mit Luftgewehren auf die Lauer legten, um die Zahl der ungebetenen Mitbewohner wenigsten ein klein Wenig zu reduzieren, was uns allerdings nicht wirklich gelang. Sie sollten den Krieg gewinnen und länger dort wohnen bleiben als wir.

An einem schönen Sommertag saßen wir in unserer -wie immer herrlich zugemüllten Küche- als Hörm und ich nach dem fünften oder sechsten Bong-Kopf beschlossen, am nächsten Tag nach Berlin zu trampen, weil echte Punks das eben so machten…

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- sanfte Musik – alter Mann sitzt in Sessel – spricht:

Ich weiß noch ganz genau, als ich den ersten Flutschkopf von meinem Großvater bekam. Es war ein schöner Kleiner und ich war vier.

- blende auf Junge mit Flutschkopf in der Hand -

Ich hatte ein Bisschen Mühe, den silber glänzenden Kopf auf die Bong zu schrauben. Aber dann: Ich werde nie diesen ersten Kick vergessen. Unfassbar kräftig, ruckartig und unheimlich gut. Ich spührte, du musst was ganz Besonderes sein, wenn dein Opa dir so einen wunderbaren ersten Rausch verschafft.

- Blende Junge steht neben Opa – Opa spricht:

Ja, nun bin ich der Großvater und was sonst wohl würde ich meinem kleinen Enkel geben, als meinen silber glänzenden Flutschkopf? Er ist nämlich auch was ganz besonderes.

Werbeunterbrechung Ende*

…Da ich zu jener Zeit noch relativ frisch im Befehlsbereich des ortsansässigen Jobcenters (damals noch förmlich Arbeitsamt geheißen) dienen musste, beschloss ich, gleich am nächsten Morgen mein Buch „Lieber krankfeiern als gesund schuften, das damals noch in druckform in jedem gut sortierten Infoladen feilgeboten wurde, zu rate zu ziehen, um mir so meinen wohl verdienten Urlaub gönnen zu können. Ich entschied mich für einen Klassiker, auf den ich auch später immer wieder zurückgreifen sollte: Die Sehnenscheidenentzündung!

Gesagt, getan. Der Arzt machte keinerlei Probleme und vermachte mir den begehrten gelben schein, den ich umgehend per post an meine zuständige Sachbearbeiterin weiterleitete. Somit stand unserem kurzfristig anberaumten Berlin-Trip nichts mehr im Wege…

FORTSETZUNG FOLGT

Fußnoten:
* Sämtliche Ähnlichkeiten mit dieser Werbung sind rein zufälliger Natur: KLICK!

Das Büro (5-Track_EP kostenloser Download)

Als ich zwischen 2000 und 2002 in Kassel wohnte, bastelte ich neben Egotronic auch noch an einem anderen musikalischen Projekt. Zu dieser Zeit feierte die sogenannte „New Economy“ ihre größten Erfolge und gegenüber der WG in der ich wohnte zog eine solche Firma ein. Die Leute dort arbeiteten Tag und Nacht und mein Mitbewohner Ali und ich beobachteten sie desöfteren dabei, da wir als eingefleischte Arbeitslose sowieso nichts besseres zu tun hatten. Irgendwann beschlossen wir dann, eine Kapelle zu gründen, um nur Songs zum Thema Büro-Alltag zu schreiben. Wir nannten uns „Das Büro“ und nahmen insgesammt 5 Stücke auf.
Diese 5 Tracks schickte mir Ex-Egotronicer Hörm letzte woche zu und ich beschloß, sie als kleine EP zum kostenlosen Download anzubieten.
Viel Spaß beim Hören (mein persönlicher Anspieltip ist „Urlaub) und ggf Downloaden:

1. New Economy

(Download)

2. Mittagspause


(Download)

3. Warten


(Download)

4. Feierabend

(Download)

5. Urlaub

(Download)

Cover-Download

Der Red Bull Pate von Bensheim


Mein Name ist Torsun Burkhardt. Ich war ursprünglich ein ganz gewöhnlicher Junge unter Vielen meines Jahrgangs. Ich ging wie jeder Andere zur Schule, blieb mehrfach sitzen und verließ deshalb vorzeitig das Gymnasium, um eine Ausbildung als Tischler zu beginnen. Mein größter Traum zu jener Zeit war es, irgendwann einen eigenen kleinen Schreiner-Betrieb in einem malerischen Dorf im Süden Hessens zu besitzen.
Den ersten Hobel hütete ich wie meinen Augapfel, um ihn -sobald ich eine Familie gegründet hätte- an meinen erstgeborenen Sohn weiter zu reichen. Dieser sollte dann beizeiten den Familien- Fachbetrieb übernehmen, später wiederum an seinen Erstgeborenen weiterreichen und somit dafür Sorge tragen, dass der Name Burkhardt auf ewig mit ehrlicher, harter, handwerklicher Arbeit und Zuverlässigkeit in Verbindung gebracht würde.
Meine Eltern -Händler von Beruf- unterstützten mich nach Leibeskräften. Sie glaubten damals noch, dass, wer sich solch hehren Zielen verschreibt, ein ganz Grosser werden kann.
Doch es sollte alles ganz anders kommen.
Meine Traum begann sich in eine völlig neue Richtung zu entwickeln, als ich 1993 zum ersten mal eine Dose Red Bull in die Finger bekam. Ein vertrauter Mittelsmann namens E. Schunder überreichte sie mir, als meine Gesellenprüfung vor der Tür stand und Schlaf wegen zahlreicher Nebentätigkeiten absolute Mangelware war. Er wiederum hatte sie -da hier zu jener Zeit dieses semi-leckere Kaltgetränk im höchsten Maße illegal war- unter Einsatz seiner demokratisch garantierten Freiheit im Die Ärzte Tourbus von Österreich nach Deutschland geschmuggelt.
Am Tag der Gesellenprüfung trank ich nun also diese erste Dose und schnitt mich darauf hin gar fürchterlich bei der allmorgentlichen Rasur, da mein Körper solch radikale Aufputschmittel -wir kannten ja lediglich Speed, XTC und Kokain- nicht gewohnt war, weshalb meine Hände wie wild zitterten. Ich verstand umgehend, warum unsere Regierung in ihrer unendlichen Weisheit diesen gefährlichen Stoff nicht freigeben wollte, war aber andererseits dermaßen fasziniert von seiner Wirkungskraft und witterte sofort meine Chance, damit schnelles Geld verdienen zu können. Als ich in der Beruf-Schule davon berichtete, wurde ein junger Mann auf mich aufmerksam. Er nahm mich beiseite und versprach mir in konspirativer Runde, dass er regelmäßig die ein oder andere Palette Red Bull würde organisieren können. Ich hätte diese lediglich in Vorkasse zu zahlen und könnte dann damit nach eigenem Gutdünken weiter verfahren. Auf in den 90ern noch als „Raves“ bekannten Veranstaltungen wären damit Spitzen-Gewinne zu erziehlen.
Ich erbat mir ein wenig Bedenkzeit.
Nachdem ich tagelang darüber sinniert hatte, ob ich mein geregeltes Leben gegen eines in Saus und Braus aber zutiefst Illegales würde tauschen sollen und wollen, fasste ich einen folgenschweren Entschluss:
Ja, ich würde nicht nur in die Unterwelt des Verbrechens einsteigen und einzelne Dosen verkaufen. Ich würde im ganz grossen Stil an- und verkaufen um der größte Red Bull Dealer zu werden, den die Welt je gesehen hat. Mit all den Vorzügen und Gefahren die dieser Lebenswandel mit sich bringen würde, versteht sich!
Gesagt, getan:
Ich kratzte meine letzten Pfennige zusammen, lieh mir unter fadenscheinigen Vorwänden von meinen Eltern einen Teil und schaffte es so unter höchster Anstrengung die geforderte Summe für die erste Palette (24 Dosen) aufzutreiben. Somit konnten die Spiele beginnen.
Durch exzellente Kontakte in die Welt der illegale Raves erfuhr ich von einem geheimen Open Air irgendwo im Südhessischen Odenwald. Dort wollte ich meinen Einstieg in die Kriminalität zelebrieren. Da unauffälliges Verhalten als Gross-Dealer absolute Priorität hat, färbte ich mir für diesen Anlass die kurz geschnittenen Haare lila, die Augenbrauen grün und zog mir eine Jeans mit leichtem Schlag (Bootcut) und ein rot-weis geringeltes Oberteil an, bevor ich mich mit Amphetamin vollgepumpt auf den Weg machte, schließlich wollte und sollte ich in dieser Nacht Geschichte schreiben.
Auf dem Rave angekommen stieß ich mit meiner heißen Ware auf reges Interesse und es dauerte nicht lange, bis ich Höchstwerte von bisweilen bis zu 5 Mark die Dose erreichte. Zumindest dann, wenn ich sie nicht gerade gegen eine Pille oder einen Luftballon voll Lachgas eintauschte. Plötzlich kannten und mochten mich die Leute und schon gegen Mitternacht war mein grossspuriges Unternehmen restlos ausverkauft.
Ich war somit auf dem absoluten Zenit meiner Karriere, der Pate des Red Bull sozusagen. Und hätte ich in dieser Nacht nicht soviel Alkohol getrunken und Dosen verschenkt, hätte mein angehäuftes Kapital -davon bin ich bis heute felsenfest überzeugt- für mehr als eine Line Kokain gereicht.
Am nächsten Tag stellte ich meine Geschäfte bezüglich Red Bull wieder ein und wenn sie sich jetzt nach dem Warum fragen, sei ihnen folgende Antwort mit auf den Weg gegeben:
Ich hatte Alles erreicht. Die Welt gehörte mir. Noch bevor die Polizei mir hätte auf die Schliche kommen können. Denn im Gegensatz zu Toni Montana weiß ich, wann die Zeit gekommen ist, abzutreten. Nämlich bevor man in einer wilden Schiesserei mit der Staatsgewalt sein Leben lässt. Und bis dahin wäre es sicherlich kein allzu grosser Schritt mehr gewesen.
ENDE

Nostalgie-Attacke


Anfang/Mitte der 90er Jahre wohnte ich in einem extrem runtergerockten Punkerhaus im südhessischen Bensheim, das wir Bewohner liebevoll „Das Loch“ nannten. Da niemand von uns einer geregelten Beschäftigung nachging, kehrten bei uns täglich Massen an Menschen ein, die keine Lust auf ihr eigenes Zuhause hatten, sich gehen lassen oder Drogen kaufen wollten, oder um einfach mit uns abzuhängen.
Zugegeben, ich hatte immerhin kurz versucht, eine Weile am Fließband bei „Wolf Bergstraße“ („Der einzige Wolf der Backen kann“) in der Nachtschicht zu arbeiten, wurde aber nach kürzester Zeit wieder gekündigt, da es keine Woche gab, in der ich nicht mindesten 1-2 Tage (und somit auch Nächte) krankgeschrieben war. Aber hey, abendliches Grillen und Saufen zum Beispiel war ja wohl schon immer wichtiger als Lohnarbeit, oder etwa nicht?
Im Zimmer neben dem Meinigen wohnte mein Cousin, der ebenso wie ich neben Punkrock auch gerne Techno hörte.
Zu jener Zeit lief wöchentlich im HR3 Radio eine Sendung namens Clubnight, in der bekannte DJs Mixes präsentierten und ich erinnere mich nur zu gut an eine Sendung von PCP Frankfurt, die er damals aufnahm und uns -geflasht wie er davon war- immer wieder vorspielte.
Ich bin ziemlich sicher, dass es keinen Techno-Mix gibt, den ich -ob ich es wollte oder nicht- in meinem Leben öfters gehört hätte.
Auf dem Facebook-Account meines Cousins sah ich gestern, dass es dieses wirklich hörenswerte Stückchen Musikgeschichte jetzt auch auf Youtube gibt und obwohl ich mit dem Sound eigentlich nicht mehr wirklich etwas anfangen kann, hab ich es allein gestern wieder zweimal durchhören müssen:

Ich bin nach wie vor begeistert und kann dazu herrlich in Errinnerungen schwelgen.

P.S.:
Auch hörenswert ist dieser etwa ein Jahr jüngere Mix von 1994, der wunderbare Jungle-Tracks enthält und den mir jemand in den Facebook-Kommentaren hinterließ:

Meine knapp 20 Jahre alte Bilderreihe…

…mit Namen „bekifft malen“ wird derzeit in Oldenburg ausgestellt…

…weil der Herr links im Bild der Meinung war, dass seine Stadt bereit für diese Art der Kunst wäre:

Manche der Bilder hängen passenderweise auf einer Toilette, wo sie von einer Frau ohne gesicht begutachtet werden,…

Wer selbst mal gucken will, begebe sich in das internationale Jugendprojekthaus in Oldenburg.

Nachtrag:
Neben meinen Bildern werden auch welche von Frau Dr. Barbas ausgestellt. Da es keins davon im Netz gibt, verweise ich einfach mal auf ihre Seite:
KLICK!

Als 1992…


…in Deutschland die Flüchtlingsheime brannten, erstarkte auch der Markt für rechtradikale Musik. Deshalb fühlten sich einige Fernsehsender aufgefordert, Talksendungen zu starten, in denen mit rechten und vermeintlich linken Bands debattiert wurde.
Ich erinnere mich noch gut an eine Sendung, die in einem Klub in Ludwigshafen aufgenommen wurde. Zu Gast waren neben den Böhsen Onkelz, die Punkband Normahl und die Skinband Boots & Braces.
Wir beschlossen damals diese Veranstaltung mit mehreren GenossInnen aus dem Rhein-Main Gebiet zu entern, wurden aber schon am Eingang von einem großen Aufgebot an Ordnern abgefangen. Nach langen Verhandlungen wurde die Einigung erzielt, dass wir auf den Publikums-Rängen Platz nehmen durften, nachdem wir unsere mitgebrachten Transparente abgegeben hatten. Umringt von Ordnern bekamen wir die Ansage, dass wir „beim kleinsten Mucks“ rausfliegen würden.
Die Sendung war -wie zu erwarten- ziemlich furchtbar, obwohl zumindest einer der Moderatoren relativ bissig wirkte.
Fast schlimmer als die Faschobands fanden wir damals (und finde ich noch heute) Normahl, die immer wieder betonten, dass sie mit linkem Extremismus nichts zu tun haben wollten. Sie hatten vermutlich vergessen, dass sie selbst mal Zeilen wie „doch wir werden siegen, wenn die Steine fliegen“ gesungen hatten und repräsentierten nun einen „demokratischen Antifaschismus“, der über ein „gegen Nazis sein“ nicht hinaus ging und von Antikapitalismus nichts wissen wollte.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich fand diese Sendung neulich auf Youtube und möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten…

Lustig finde ich an der Sendung, dass man ab etwa Minute 40 einen alten Genossen von mir -über den die Ärzte später einen Song schrieben- lauthals pöbeln hören kann.
Der einzige Lichtblick in diesem riesigen Haufen Scheiße…