Kurzer Rückblick auf den Bundesvision Song Contest

Neulich wurde ich -auch von Musiker-Kollegen- wieder mal als ewiger Nörgler gescholten, weil ich mich über den Bundesvision Song Contest auskotzte, obwohl dort diesmal viele Acts ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt hätten.
Am Tag des Contests schrieb ich auf Facebook Folgendes:

Ich las gerade, dass heute wieder der beschissene Bundesvision Song Contest ist. Davon mal abgesehen, dass ich nicht raffe, wie man als klar denkender Musiker freiwillig eins der beknackten Bundesländer repräsentieren wollen kann, stell ich mir die Frage, wer denn diesmal Sachsen vertritt. Störkraft?

Und in der Debatte am nächsten Tag das hier:

Lustiger Weise scheint das meine These zu untermauern und das Event genau das zu bewirkt, was ich ihm gestern vorwarf: Die Bands mögen all das Ernst meinen, liefern so aber die Simulation eines besseren Deutschlands, in dem es nachts vermutlich wieder gerumst hat, in dem heute wieder abgeschoben wird und bei der nächsten Asylrechtsverschärfung wieder keiner dagegen auf die Straße geht. Außerdem wird es weiterhin das Volumen an Waffenlieferungen steigern und seine Führungsposition in Europa zementieren. Aber schön, dass man eine Fernsehsendung lang Fähnchen schwenken und trotzdem daran glauben konnte, dass alles doch gar nicht so schlimm ist.

Selbstverständlich finde ich es Super, wenn sich Acts wie z.B. die Donots, Madsen, Gloria und Ferris MC öffentlich gegen Rassismus und Nazis auf den Straßen positionieren. Wenn sie dies aber im Rahmen eines patriotischen Events tun, und nichts Anderes ist der BUVISO, helfen sie -ob sie wollen oder nicht- mit, das Image eines Landes aufzupolieren, das verbal die Positionen der Künstler teilt, aber de Fakto die Forderungen der Straßen-Faschos umsetzt. Jetzt kann sich Deutschland, das gerade weitere Länder als sicher deklariert und das Taschengeld für Flüchtlinge durch Sachleistungen ersetzen will, mit solchen Bildern schmücken:

Deshalb mein Appell an alle Musikerinnen und Musiker, die es Ernst meinen mit Refugees Welcome, zukünftig alle Events, die lediglich dazu da sind, das Ansehen Deutschlands zu verbessern -seien das nun der Bundesvision Song Contest, oder vom Goethe Institut gesponsorte Touren- zu boykottieren. Ich weiß, dass die Teilnahme gute Promotion ist, aber ihr solltet euch die Frage stellen, ob das die Art Promo ist, die ihr wirklich haben wollt.
Denn eins sollte klar sein: Das Problem sind nicht nur die brandschatzenden Nazis auf der Straße, sondern auch die Politiker (derzeit vor allem von CDU und SPD), die mit ihrer Politik der Abschottung und Gängelei die Flüchtenden an den Außengrenzen sterben lassen, oder denen, die es aller Qualen zum Trotz geschafft haben, einzureisen, eine Teilnahme am sozialen Leben im Land verwehren wollen.

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