Ich gehe oft früh schlafen und trinke nur noch mäßig, aber die Scham ist geblieben

Als ich am 08.10.2004 bei myblog.de mein erstes Weblog eröffnete, suchte ich nach einer schmissigen Überschrift, die gut zu mir passte, beim ersten mal lesen hängen bleiben und am besten auf humoristische Weise mein Unbehagen mit den bestehenden Verhältnissen zum Ausdruck bringen sollte. Ich entschied mich für ein Zitat aus Eugen Egners Buch „Aus dem Tagebuch eines Trinkers“, welches wie folgt lautete:

Ich bleibe oft lange auf, trinke viel und schäme mich für uns alle!


Das passte ganz ausgezeichnet, weil es neben den angesprochenen Punkten meine doch stark ausgeprägte Rausch-Affininität mit einbezog. Es verhielt sich zwar so, dass ich nicht nur trank, sondern, sobald eine neue Droge auf den Markt geworfen wurde, diese umgehend probieren musste, wenn auch manche davon nur einmal, aber manchmal muss man eben Abstriche machen.
Am 23.11. 2005 beschloss ich dann, ein Event anzubieten, das mich und mein Weblog für immer mit diesem Zitat verbinden sollte:
Ich verloste eine Lesung oben erwähnten Buchs, in deren Verlauf ich mich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken würde. Sie fand am 28.01. in der Hamburger Schilleroper statt und ich kann nicht ohne Stolz verkünden, dass ich mich während der einstündigen Lesezeit nicht weniger als acht ( in Zahlen: 8 ) mal übergeben musste, bevor ich zusammenbrach und zum Schlafplatz gebracht wurde.
Das ganze Spektakel wurde damals auf Video aufgenommen und ich veröffentlichte einen kurzen Clip mit den schönsten Momenten, welcher aber, nach Sanktionsandrohungen durch den die Rechte am Werk innehabenden Verlag, wieder gelöscht werden musste. Aber sei’s drum.
10 Jahre, unzählige durchfeierte Wochenenden und einen Umzug zu Blogsport später zierte dieses prächtige Zitat immer noch meinen Header, bis ich gestern zufällig auf einen Zeitungsartikel stieß, in dem zu lesen stand, wie viele neue Drogen in den letzte Jahren release feierten.

Die Anzahl überraschte mich doch ungemein, aber was mich um einiges mehr verwirrte, war die Tatsache, dass ich keinerlei Drang verspürte, all diese Stoffe im Selbstversuch testen zu müssen. Das heißt jetzt nicht, dass ich keine Rauschmittel mehr konsumiere und wenn mir zufällig mal eines der Neuen über den Weg läuft, wer weiß. Aber der innerliche Zwang Rauschtechnisch immer auf dem neuesten Stand zu sein, scheint ein für alle mal vorbei.
Als ich dann noch meine Schlafenszeiten mit denen von z.B. 2007 abglich, kam ich zu folgender Feststellung:
Jede Ära hat einmal ein Ende und ich halte die Zeit für gekommen, dass das Motto dieses Weblogs zukünftig ein anderes, nämlich eines, das mehr meiner aktuellen Lebenssituation entspricht, sein muss.
Wie das neue Motto lauten wird, weiß ich noch nicht, weshalb ich bis auf Weiteres den Moment der Bewusstwerdung in den Header einbinde.
Soweit fürs erste und verdammt, jetzt hab ich richtig Lust gekriegt, mich amtlich volllaufen zu lassen….

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