Teil 1: Zwei Punks reisen nach Berlin…

…oder: Wie das Cover-Foto für „Die Natur ist dein Feind“ entstand.


Nach langen Überlegungen und Versuchen, hatten Lewe und Artur (Audiolith) die Idee, dass das Cover zum kommenden Egotronic-Album „Die Natur ist dein Feind“ aus alten Punkrock-Bildern bestehen könnte. Und weil wir alle die Idee gut fanden, traf ich mich umgehend mit Egotronic-Gründungsmitglied Hörm, um alte Fotos zu sichten.
Hier nun der erste Teil der Geschichte zum Foto, für das wir uns letztendlich entschieden:


Mitte der 90er wohnte ich unter anderem mit Ex-Egotronicer Hörm in einem Punker-Haus in Bensheim an der Bergstraße, das von all seinen Bewohnern liebevoll „das Loch“ genannt wurde. Es war eine runtergerockte Hütte, die neben einem Kino lag, welches allerdings schon vor unserem Bezug einem Parkplatz weichen musste und deshalb abgerissen wurde.


(Rechts neben dem Kino mit dem schmucken Namen Apollo sieht man das Haus mit dem weniger schmucken Namen, „das Loch“.)

Mit uns hausten dort massenhaft Mäuse, die aber glücklicher weise von Ratten, die uns entlaufen waren, vertrieben wurden. Die unglücklicher weise nun folgende Ratten-Plage wurde mit der Zeit so übermächtig, dass wir uns Nachts in der Küche mit Luftgewehren auf die Lauer legten, um die Zahl der ungebetenen Mitbewohner wenigsten ein klein Wenig zu reduzieren, was uns allerdings nicht wirklich gelang. Sie sollten den Krieg gewinnen und länger dort wohnen bleiben als wir.

An einem schönen Sommertag saßen wir in unserer -wie immer herrlich zugemüllten Küche- als Hörm und ich nach dem fünften oder sechsten Bong-Kopf beschlossen, am nächsten Tag nach Berlin zu trampen, weil echte Punks das eben so machten…

Werbeunterbrechung
- sanfte Musik – alter Mann sitzt in Sessel – spricht:

Ich weiß noch ganz genau, als ich den ersten Flutschkopf von meinem Großvater bekam. Es war ein schöner Kleiner und ich war vier.

- blende auf Junge mit Flutschkopf in der Hand -

Ich hatte ein Bisschen Mühe, den silber glänzenden Kopf auf die Bong zu schrauben. Aber dann: Ich werde nie diesen ersten Kick vergessen. Unfassbar kräftig, ruckartig und unheimlich gut. Ich spührte, du musst was ganz Besonderes sein, wenn dein Opa dir so einen wunderbaren ersten Rausch verschafft.

- Blende Junge steht neben Opa – Opa spricht:

Ja, nun bin ich der Großvater und was sonst wohl würde ich meinem kleinen Enkel geben, als meinen silber glänzenden Flutschkopf? Er ist nämlich auch was ganz besonderes.

Werbeunterbrechung Ende*

…Da ich zu jener Zeit noch relativ frisch im Befehlsbereich des ortsansässigen Jobcenters (damals noch förmlich Arbeitsamt geheißen) dienen musste, beschloss ich, gleich am nächsten Morgen mein Buch „Lieber krankfeiern als gesund schuften, das damals noch in druckform in jedem gut sortierten Infoladen feilgeboten wurde, zu rate zu ziehen, um mir so meinen wohl verdienten Urlaub gönnen zu können. Ich entschied mich für einen Klassiker, auf den ich auch später immer wieder zurückgreifen sollte: Die Sehnenscheidenentzündung!

Gesagt, getan. Der Arzt machte keinerlei Probleme und vermachte mir den begehrten gelben schein, den ich umgehend per post an meine zuständige Sachbearbeiterin weiterleitete. Somit stand unserem kurzfristig anberaumten Berlin-Trip nichts mehr im Wege…

FORTSETZUNG FOLGT

Fußnoten:
* Sämtliche Ähnlichkeiten mit dieser Werbung sind rein zufälliger Natur: KLICK!

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