Archiv für Februar 2013

Dates für März

Auch im März bin ich wieder in Sachen Auflegen und Lesungen unterwegs:

01.03. Leipzig – Elipanamoke (DJ-Gig)
09.03. Zwickau – Moccabar (DJ-Gig)
16.03. Leipzig – Jet (Lesung Raven wegen Deutschland)
22.03. Berlin – Kater Holzig (DJ-Gig)
28.03. Rostock – Peter Weiss Haus (Lesung Raven wegen Deutschland)
29.03. Bremen – Pixl Club (DJ-Gig)

egotronic-TV Folge 17

Postkarten-Motiv für mein „Heimat“-Dorf

Morgen dann!

Mal wieder Zeit für ein sportliches Projekt

Um 11 Uhr geht´s los.

Wenn alles klappt, gibt es das morgen auf Augen und Ohren.

Der Red Bull Pate von Bensheim


Mein Name ist Torsun Burkhardt. Ich war ursprünglich ein ganz gewöhnlicher Junge unter Vielen meines Jahrgangs. Ich ging wie jeder Andere zur Schule, blieb mehrfach sitzen und verließ deshalb vorzeitig das Gymnasium, um eine Ausbildung als Tischler zu beginnen. Mein größter Traum zu jener Zeit war es, irgendwann einen eigenen kleinen Schreiner-Betrieb in einem malerischen Dorf im Süden Hessens zu besitzen.
Den ersten Hobel hütete ich wie meinen Augapfel, um ihn -sobald ich eine Familie gegründet hätte- an meinen erstgeborenen Sohn weiter zu reichen. Dieser sollte dann beizeiten den Familien- Fachbetrieb übernehmen, später wiederum an seinen Erstgeborenen weiterreichen und somit dafür Sorge tragen, dass der Name Burkhardt auf ewig mit ehrlicher, harter, handwerklicher Arbeit und Zuverlässigkeit in Verbindung gebracht würde.
Meine Eltern -Händler von Beruf- unterstützten mich nach Leibeskräften. Sie glaubten damals noch, dass, wer sich solch hehren Zielen verschreibt, ein ganz Grosser werden kann.
Doch es sollte alles ganz anders kommen.
Meine Traum begann sich in eine völlig neue Richtung zu entwickeln, als ich 1993 zum ersten mal eine Dose Red Bull in die Finger bekam. Ein vertrauter Mittelsmann namens E. Schunder überreichte sie mir, als meine Gesellenprüfung vor der Tür stand und Schlaf wegen zahlreicher Nebentätigkeiten absolute Mangelware war. Er wiederum hatte sie -da hier zu jener Zeit dieses semi-leckere Kaltgetränk im höchsten Maße illegal war- unter Einsatz seiner demokratisch garantierten Freiheit im Die Ärzte Tourbus von Österreich nach Deutschland geschmuggelt.
Am Tag der Gesellenprüfung trank ich nun also diese erste Dose und schnitt mich darauf hin gar fürchterlich bei der allmorgentlichen Rasur, da mein Körper solch radikale Aufputschmittel -wir kannten ja lediglich Speed, XTC und Kokain- nicht gewohnt war, weshalb meine Hände wie wild zitterten. Ich verstand umgehend, warum unsere Regierung in ihrer unendlichen Weisheit diesen gefährlichen Stoff nicht freigeben wollte, war aber andererseits dermaßen fasziniert von seiner Wirkungskraft und witterte sofort meine Chance, damit schnelles Geld verdienen zu können. Als ich in der Beruf-Schule davon berichtete, wurde ein junger Mann auf mich aufmerksam. Er nahm mich beiseite und versprach mir in konspirativer Runde, dass er regelmäßig die ein oder andere Palette Red Bull würde organisieren können. Ich hätte diese lediglich in Vorkasse zu zahlen und könnte dann damit nach eigenem Gutdünken weiter verfahren. Auf in den 90ern noch als „Raves“ bekannten Veranstaltungen wären damit Spitzen-Gewinne zu erziehlen.
Ich erbat mir ein wenig Bedenkzeit.
Nachdem ich tagelang darüber sinniert hatte, ob ich mein geregeltes Leben gegen eines in Saus und Braus aber zutiefst Illegales würde tauschen sollen und wollen, fasste ich einen folgenschweren Entschluss:
Ja, ich würde nicht nur in die Unterwelt des Verbrechens einsteigen und einzelne Dosen verkaufen. Ich würde im ganz grossen Stil an- und verkaufen um der größte Red Bull Dealer zu werden, den die Welt je gesehen hat. Mit all den Vorzügen und Gefahren die dieser Lebenswandel mit sich bringen würde, versteht sich!
Gesagt, getan:
Ich kratzte meine letzten Pfennige zusammen, lieh mir unter fadenscheinigen Vorwänden von meinen Eltern einen Teil und schaffte es so unter höchster Anstrengung die geforderte Summe für die erste Palette (24 Dosen) aufzutreiben. Somit konnten die Spiele beginnen.
Durch exzellente Kontakte in die Welt der illegale Raves erfuhr ich von einem geheimen Open Air irgendwo im Südhessischen Odenwald. Dort wollte ich meinen Einstieg in die Kriminalität zelebrieren. Da unauffälliges Verhalten als Gross-Dealer absolute Priorität hat, färbte ich mir für diesen Anlass die kurz geschnittenen Haare lila, die Augenbrauen grün und zog mir eine Jeans mit leichtem Schlag (Bootcut) und ein rot-weis geringeltes Oberteil an, bevor ich mich mit Amphetamin vollgepumpt auf den Weg machte, schließlich wollte und sollte ich in dieser Nacht Geschichte schreiben.
Auf dem Rave angekommen stieß ich mit meiner heißen Ware auf reges Interesse und es dauerte nicht lange, bis ich Höchstwerte von bisweilen bis zu 5 Mark die Dose erreichte. Zumindest dann, wenn ich sie nicht gerade gegen eine Pille oder einen Luftballon voll Lachgas eintauschte. Plötzlich kannten und mochten mich die Leute und schon gegen Mitternacht war mein grossspuriges Unternehmen restlos ausverkauft.
Ich war somit auf dem absoluten Zenit meiner Karriere, der Pate des Red Bull sozusagen. Und hätte ich in dieser Nacht nicht soviel Alkohol getrunken und Dosen verschenkt, hätte mein angehäuftes Kapital -davon bin ich bis heute felsenfest überzeugt- für mehr als eine Line Kokain gereicht.
Am nächsten Tag stellte ich meine Geschäfte bezüglich Red Bull wieder ein und wenn sie sich jetzt nach dem Warum fragen, sei ihnen folgende Antwort mit auf den Weg gegeben:
Ich hatte Alles erreicht. Die Welt gehörte mir. Noch bevor die Polizei mir hätte auf die Schliche kommen können. Denn im Gegensatz zu Toni Montana weiß ich, wann die Zeit gekommen ist, abzutreten. Nämlich bevor man in einer wilden Schiesserei mit der Staatsgewalt sein Leben lässt. Und bis dahin wäre es sicherlich kein allzu grosser Schritt mehr gewesen.
ENDE