Als 1992…


…in Deutschland die Flüchtlingsheime brannten, erstarkte auch der Markt für rechtradikale Musik. Deshalb fühlten sich einige Fernsehsender aufgefordert, Talksendungen zu starten, in denen mit rechten und vermeintlich linken Bands debattiert wurde.
Ich erinnere mich noch gut an eine Sendung, die in einem Klub in Ludwigshafen aufgenommen wurde. Zu Gast waren neben den Böhsen Onkelz, die Punkband Normahl und die Skinband Boots & Braces.
Wir beschlossen damals diese Veranstaltung mit mehreren GenossInnen aus dem Rhein-Main Gebiet zu entern, wurden aber schon am Eingang von einem großen Aufgebot an Ordnern abgefangen. Nach langen Verhandlungen wurde die Einigung erzielt, dass wir auf den Publikums-Rängen Platz nehmen durften, nachdem wir unsere mitgebrachten Transparente abgegeben hatten. Umringt von Ordnern bekamen wir die Ansage, dass wir „beim kleinsten Mucks“ rausfliegen würden.
Die Sendung war -wie zu erwarten- ziemlich furchtbar, obwohl zumindest einer der Moderatoren relativ bissig wirkte.
Fast schlimmer als die Faschobands fanden wir damals (und finde ich noch heute) Normahl, die immer wieder betonten, dass sie mit linkem Extremismus nichts zu tun haben wollten. Sie hatten vermutlich vergessen, dass sie selbst mal Zeilen wie „doch wir werden siegen, wenn die Steine fliegen“ gesungen hatten und repräsentierten nun einen „demokratischen Antifaschismus“, der über ein „gegen Nazis sein“ nicht hinaus ging und von Antikapitalismus nichts wissen wollte.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich fand diese Sendung neulich auf Youtube und möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten…

Lustig finde ich an der Sendung, dass man ab etwa Minute 40 einen alten Genossen von mir -über den die Ärzte später einen Song schrieben- lauthals pöbeln hören kann.
Der einzige Lichtblick in diesem riesigen Haufen Scheiße…

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8 Antworten auf “Als 1992…”


  1. 1 murmel 06. Dezember 2012 um 15:12 Uhr

    Buddy Holly pöbelt?

  2. 2 Opie 06. Dezember 2012 um 16:32 Uhr

    Hat mich jetzt voll gefesselt hab mir die 60min angschaut…

    sehr interessant wie es früher abging…

  3. 3 Eric 06. Dezember 2012 um 22:52 Uhr

    Seh ich das richtig? Der alte udo vogt war auch am start? 2:34 unten links.

  4. 4 chillbär 07. Dezember 2012 um 4:00 Uhr

    Grandioser Blogeintrag, Torsun!
    Die Sendung war auch fesselnd, elendes Nazipack da!

  5. 5 roof 07. Dezember 2012 um 6:05 Uhr

    Mal abgesehen von dem nostalgie Flash, was ist denn an demokratischen Antifaschismus so unkorrekt??
    Wenn was zum kotzen war dann der unsägliche Playback Auftritt von Normahl.

    p.s.:
    Die Textzeile die du da zitiert hast ist aus einem eher unpolitischen Lied und kann man auf ACAB oder Chaostage reduzieren.


    Pflasterstein flieg
    wir ham mit den Bullen Krieg
    Gummiknüppel, Pflasterstein
    Politikerschein muß das denn sein
    (Ref.) 2mal
    Doch wir werden siegen
    Wenn die Steine fliegen
    Blutige Nase, roter Kopf
    wir sind aus dem selben Topf,
    denn wenn mal der Pübel muckt
    sich auch mal die Staatsmacht duckt.
    Gewaltfreie Zone noch und noch,
    bringen tuts ihnen wenig doch
    wenn erstmal das Rathaus brennt,
    auch der letzte Bulle rennt
    Blutige Nase, roter Kopf
    wir sind aus dem selben Topf,
    denn wenn mal der Pöbel muckt
    sich auch mal die Staatsmacht duckt.
    Und wenn sie dann nicht weiter wissen
    werden sie wohl auf uns schießen.
    Ref. 4mal

  6. 6 gef 07. Dezember 2012 um 16:51 Uhr

    Oh, wer ist der ominöse Genosse? Bevor ich mir jetzt jedes Lied der Ärzte anhöre, erwarte ich Rede und Antwort. Und danke fürs Verlinken der Sendung, skurille Nummer und echt zum Kotzen. Aber interessantes Dokument.

  7. 7 kapsler hauser 07. Dezember 2012 um 17:59 Uhr

    Das Lied, das du suchst heißt „Ein Song namens Schunder“.

  8. 8 @gef 09. Dezember 2012 um 23:16 Uhr

    Torsun meint Erik Schunder. Ehemaliger T-Shirt-Verkäufer von Die Ärzte. Hat dann später die Deutschrock Merchandise GmbH (heute Bravado Merchandise GmbH) mitgegründet.

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