Archiv für November 2011

„Die bekackten Deutschen…“

Ich erinnere mich noch ganz genau an die Pogrome in Hoyerswerda 1991. Weitere, wie z.B. in Mannheim -dort wurde ich als Gegen-Demonstrant zum ersten mal in meinem Leben festgenommen- und Rostock folgten. Am Ende stand die Defakto-Abschaffung des Asylrechts auf der Deutschen Tagesordnung:

Wie sieht es 20 Jahre später in Hoyerswerda aus?
so:

Und was sagt der Bürgermeister dazu?
Klick!

„Roman des Jahres“:

Ich bin hoch erfreut, wie gut „Raven wegen Deutschland“ bei vielen Leuten ankommt:

Audiolith-Weihnachtsfeier:


Dann mit der Premiere dieses Tracks, den ich letztes Jahr Weihnachten begann und der bis dahin endlich fertig werden sollte:
Stille afterhour by torsun

Warum auch nicht?

Die beste Verkaufsstelle für „Raven wegen Deutschland“ ist immer noch:

(Dank an Käthe Schwarzkopf für das Foto)

Review „Raven wegen Deutschland“…

von Airen im Musikexpress-Blog (Ich fühle mich geschmeichelt und verneige mich):

Es kommt öfter mal vor, dass sich ein Musiker zum Autor berufen fühlt. Meist kann man dann die rührselig anbereitete Geschichte vom Weg von ganz unten aus dem Ghetto nach ganz oben in die Scheinwerfer der Welt mitbegleiten. Hier in Deutschland haben uns Bushido und Fler gezeigt, wie man mit derart billigen Aufstiegsmythen aus Albummillionen auch Buchmillionen machen kann. DerBerliner Torsun von den Elektropunkern von Egotronic macht vor, wie es besser geht: Ein knalldirektes, rockendes und zugleich politisch-polarisierendes Album zu veröffentlichen , und ein Buch rauszubringen, das man auch mit Genuß lesen kann, ohne jemals einen Song von seiner Band gehört zu haben.
Denn Torsun und Daniel Kulla haben mit „Raven wegen Deutschland“ eben keine schnell zum ersten Platinalbum zusammen geschnipselte „Autobiographie“ vermurkst, sondern ein lebendiges Zeitdokument geschaffen, eine literarische Reise in den Summer der Afterhours of 2007.

Den vertreibt sich Torsun mit ziemlich professionell hingelegten Abstürzen, und bringt es dabei irgendwie fertig, ein Album zu produzieren. Zu Beginn des Buches stehen Egotronic kurz vor der Auflösung: der Bandkollege ist ausgestiegen, Torsun ist arbeitslos, die Freundin weg. Auf wahnsinnig schnelle Art – manchmal werden ganze Wochenenden in Absätzen abgehandelt erzählt das Buch, wie er sich dann Kopf voran in einen wochenlangen Exzess stürzt, an dessen Ende die Veröffentlichung des Albums „Lustprinzip“ steht. Das Album, mit dem Egotronic seinen Durchbruch feiert. Man riecht den Schlamm auf den Festivals, sieht die tausenden in die Luft geworfenen Hände, und merkt dann, wenn man das Buch beiseite legt, dass da eine große Zeit an uns gerade vorüber gegangen ist.

Literarisch ist „Raven wegen Deutschland“ eine Klasse für sich. Die schnellen Erzählsequenzen Torsuns werden abgewechselt von Co-Autor Kulla. Der Fotograf und Blogger aus dem Egotronic-Umfeld hat die Protagonisten dieses Sommers befragt und lässt sie in kleinen Interviews zwischen den Kapiteln zu Wort kommen. Nebenbei umreisst er die Bandgeschichte, während Torsun eine Nase nach der anderen zieht.

So wie Sherlock Holmes nebenbei Pfeife raucht, so werden hier en passant Näschen und Pillen genommen. Für einen Aussenstehenden kann das nervig wirken, wer dabei gewesen ist weiss: Bei Torsun ist das keine Effekthascherei , sondern ein ganz einfaches Nebenbei, etwas, das eben so passiert, wenn man im Sommer 2007 in der Bar25 rumlungerte und Leute kennenlernte, die das eigene Leben dramatisch verändern würden. Vielleicht wird man Bücher wie dieses erst in ein paar Jahrzehnten zu schätzen lernen, wenn dann der ganze Berliner Technohype der Nullerjahre Vergangenheit ist und sich die nachfolgenden Generationen fragen, wie das denn eigentlich wirklich war damals, dieses Drei-Tage-wach, diese überbelichtete Zeit, als Berlin für ein paar Jahre der Nabel der internationalen Feierwelt war, und von der Opi immer redet, wenn er von den langen Spaziergängen mit dem Hund zurück kommt… Dann wird man „Raven wegen Deutschland“ hervorkramen und es nachlesen können, Seite für Seite, Tag für Tag.
Das tolle an Torsun als Künstler ist, dass da mal wieder einer für uns das extreme Leben lebt, und man sich das anhören kann auf dem Weg zur Arbeit, oder sich das durchlesen kann auf seiner Hollywoodschaukel, und sich dann gleich ein Stück lebendiger und jünger fühlt und merkt:

„Ich liege da ganz breit / Und brauche Flüssigkeit/ Die Beine sind recht schwer, das macht den Weg zur Bar so weit/ Na dann mal aufrappeln/ und sofort weiterzappeln / Ich beug mich vor, nah an dein Ohr, und bin am Scheiße sabbeln. Ich bin verspult.“

Raven wegen Deutschland: Ein Doku-Roman
Von Torsun Burkhardt und Daniel Kulla
Ventil Verlag
316 Seiten
Auflage: 1 (Oktober 2011)
ISBN-10: 3931555429
Eur 12,90

Graues Berlin (2):

Wenn es draußen so grau und finster ist, versuch ich immer irgend etwas zu finden, was mich ablenken kann. Eine Zeit lang fand ich diese Ablenkung darin, animierte Gif-Sequenzen zu basteln. In Punkto Style favorisierte ich ganz klar das Pixelige alter C64-Pics.
Für Egotronic bastelte ich zum Beispiel irgendwann Folgendes:

Einmal zimmerte ich sogar einen kurzen Film. Für diesen schraubte ich als Soundtrack eine C64-mäßige Coverversion von T.A.T.U., nämlich: „All The Things She Sayd“

Derzeit sehen meine Gegenmaßnahmen so aus:
1.
Ich schreibe an einem Roman über zwei Raver. Einer der Beiden ist ständig am Fluchen und sich auskotzen. Das liest sich dann z.B. so:

… Okay, zurück in die Wohnung, runter kommen, Ruhe bewahren, Kaffe kochen und Zigarrette anzünden. Das zumindest scheint fürs Erste der einzig einigermaßen sinvolle Plan zu sein, bevor ich noch auf die Idee komme diesen beschissenen Kinderwagen anzuzünden, der seit geraumer Zeit hier im Flur steht und mich -quasi wie ein Mahnmal trauter Gemeinsamkeit- daran erinnert, dass andere Leute in meinem Alter längst Familien gegründet haben. Nicht, dass ich eine Familie gründen will, nein. Familien nerven mich sogar ausserordentlich. Vor allem die Jungen. Die sind es schließlich, die dafür sorgen, dass nach und nach immer mehr Klubs ihre Pforten schliessen müssen, weil den frisch gebackenen Eltern plötzlich auffällt, dass es für ihren dreimal verfluchten Nachwuchs eventuell nicht ganz so geil sein könnte, wenn ihm nachts eine Melange aus Stimmengewirr, klirrenden Gläsern und dem Sound der grossen Trommel den Schlaf raubt. So hätten sie sich das dann doch nicht vorgestellt, als sie Jung und zu allerlei Schandtaten bereit nach Berlin zogen, um mal richtig die Sau raus zu lassen. Aber anstatt sich nach vollzogener Familienplanung irgendwohin an den Stadtrand zu verpissen, meinen sie jetzt jede Kneipe und jeden Klub verklagen zu müssen, um noch das schönste Viertel in eine Vorhölle der Kleinbürgerlichkeit zu verwandeln, wo man auf der Straße beim Latte Macchiato schlürfen Gleichgesinnte trifft und mit den vermeintlichen Leistungen der dämlichen Bälger prahlt, als ob es einen anständigen Menschen interessieren würde, dass der oder die Kleine jetzt nur noch dreimal pro Nacht die Windeln zu scheißt.
„Wir haben ja prinzipiell nichts gegen eine Afterhour einzuwenden, lieber Tom. Aber Sonntag Vormittag musst du doch nicht immer so Laut sein. Unser Kleiner braucht seinen Schlaf.“ sagen diese Arschgeigen, die sich meine „toleranten Nachbarn“ schimpfen, in regelmäßigen Abständen zu mir, woraufhin ich jedes mal aufs neue versichere, dass das nie wieder vorkommen wird, anstatt ihnen im Gegenzug an ihre frisch gestylten Köpfe zu werfen, dass mich ihre Plage jeden Montag Morgen mit lautem Geschrei ebenso aus dem Wohlverdienten schlaf reißt. Rave ist schließlich kein Hobby! Nur dass die Arbeitszeiten eben andere sind. …

2.
Ich gehe -wie gestern schon erwähnt- auf Tour.

Die Flucht aus dem grauen Berlin führt die ganzen Egotronic-Bande an diesem heute schon startenden Wochenende an folgende Orte:
Do 24.11.11 Leipzig, (Moritzbastei)
Fr 25.11.11 A-Wels, (Alter Schlachthof)
Sa 26.11.11 Amberg, (Casinosaal)

Der nächste Song (5):

Tolerante Nazis:
Als sich die Produktion von „Macht keinen Lärm“ gen Ende neigte, bekam ich den unbändigen drang mal wieder richtig auszugehen, zumal ich unter der Woche täglich im Studio saß und so gut wie jedes Wochenende Shows gespielt wurden. Am letzten Wochenende vor Abgabe hielt ich es nicht mehr aus und beschloss deshalb, wenigstens für ein paar Stunden in einen Club zu gehen. Allerdings bat ich meine Freunde, mich -egal wie sehr ich mich auch dagegen wehren würde- spätestens um 4 Uhr früh nachhause zu schicken. Sie versprachen es und wir trafen uns zum Warm Up. Um keine Zeit zu verlieren, legte ich umgehend los und schaffte es somit, so gut wie alles, was man sonst in ein bis zwei Nächten erlebt auf wenige Stunden zu komprimieren. Um 4 Uhr saß ich im Taxi, fuhr dierekt vom Warm Up, dass sich an diesem Abend etwas in die Länge zog, zurück, schlief 4 Stunden und machte mich dann frisch ans Werk.
Ich merkte schnell, dass mir die Feierei extrem gut getan hatte, denn trotz so wenig Schlaf sprudelten die Ideen nur so heraus. Ich kam sogar so schnell voran, dass ich am Mittag beschoss den Rechner runter zu fahren und einen schönen Nachmittag mit meinem Mitbewohner zu verbringen. Am nächsten Tag sollte der Song fertig werden.

Hilfe via Facebook:

Da ich unbedingt ein paar Sprach-Samples einbauen wollte, fragte ich über meinen Facebook-Account, ob irgendjemand ein gutes Video zum Thema „der neue entspannte Patriotismus“ wüsste und bekam eine ganze Menge Links zu Videos geschickt. Unter anderem auch einen zu diesem Video:

Sie passten perfekt in den Song und es fiel mir leicht einen passenden Text dazu zu schreiben.

Und:
Ich freute mich ausserdem, dass ich mal wieder einen Schellenkranz einsetzen konnte, denn schon 2005 schrieb ich über dieses ganz hervorragende Instrument folgendes:
Anklicken und Lesen.

13. Tolerante Nazis by egotronic

Graues Berlin:

So sehr ich den Sommer in Berlin mit all seinen schönen Open-Air-Veranstaltungen mag, so sehr hasse ich den Winter hier, denn im Winter ist diese Stadt in erster Linie nur eins: GRAU!
Das schlägt zumindest mir so manches mal ganz schön aufs Gemüt, was mich heute auf die Idee brachte, auch meinem Weblog diese trostlose Farbe zu verpassen. Gerade so, als müsste man das Grausame noch viel grausamer machen, um es dann eventuell besser ertragen zu können. Ob es was hilft, muss sich zeigen.
Was hingegen definitiv hilft, ist eine ausgedehnte Tour und die geht glücklicherweise schon morgen weiter (Checkt die Dates).

Als ich -leicht melancholisch- heute morgen alte Seiten im Netz durchforstete, ärgerte ich mich erst, dass manche nicht mehr online sind, bis mir ein wunderbares Archiv einfiel: Die Wayback Machine!
Über diese surfte ich auf alten Egotronic-Pages herum, bis ich Fotos fand, die ein Mittel dokumentieren, mit dem ich vor etlichen Jahren versuchte, dem winterlichen Berliner Grau zu trotzen.
Diese Fotos möchte ich euch nicht vorenthalten und präsentiere nun…
…mein altes Zimmer in einem Hausprojekt in der Voigtstrasse. Dem Haus übrigens, dem ich damals den Egotronic-Song V36 widmete:

Ob die Methode des bunten Zimmers ihren Zweck erfüllte, vermag ich im Nachhinein allerdings nicht mehr mit bestimmter Sicherheit zu sagen.

Der nächste Song (4):

Dich glücklich seh´n:
Dieser Song war der Letzte, den ich für „Macht keinen Lärm“ schrieb. Endi und ich saßen den ganzen Tag im Studio, brachten aber nichts Sinnvolles zustande. Als Endi gegangen war, experimentierte ich noch ein wenig herum und wollte gerade den Rechner ausschalten, als mir plötzlich doch noch die zündende Idee kam. Da meine eigene Gitarre kaputt war, produzierte ich ihn bis auf diese komplett fertig und fragte dann Mirco, der bei „Rannte der Sonne hinterher“ die Gitarre beigesteuert hatte, ob er mir schnell eine einspielen könne. Er konnte und somit war der Song innerhalb weniger Stunden im Kasten.
Ich widmete ihn einem Freund, der für einen Teil dieses Sommers zu meiner Feierschwester wurde und der sich dann Hals über Kopf verliebte (Wie man dem Text entnehmen kann, erwiderte seine Auserwählte diese Gefühle):
11. Dich Gluecklich Seh‘n by egotronic

Und weiter geht die Tour:


Nach 1 1/2 Wochen Pause geht die Egotronic-Reise ab Donnerstag weiter:
Do 24.11.11 Leipzig, (Moritzbastei)
Fr 25.11.11 A-Wels, (Alter Schlachthof)
Sa 26.11.11 Amberg, (Casinosaal)
Fr 02.12.11 Erfurt, (Unikum)
Sa 03.12.11 Würzburg, (Cairo)
Do 08.12.11 Lüneburg, (Salon Hansen)
Fr 09.12.11 Köln, (Gebäude 9)
Sa 10.12.11 Lingen, (Alter Schlachthof)
Fr. 16.12.11 Hamburg (Hafenklang)
Sa. 17.12.11 Berlin (Magnet)
Di. 20.12.11 Braunschweig (Nexus)
Mi. 21.12.11 Münster (Amp)
Do. 22.12.11 Marburg (Trauma)
Fr. 23.12.11 Karlsruhe (Walhala)
Mo. 26.12.11 Reutlingen (Franz K)
Di. 27.12.11 Konstanz (Kulturladen)
Mi. 28.12.11 Dornbirn (Schlachthaus)
Do. 29.12.11 München (Feierwerk)
Fr. 30.12.11 Zürich (Stall 6)
Mo. 02.01.12 Freiburg (KTS)
Di. 03.01.12 Adelsheim (Lucky Rave)
Mi. 04.01.12 Saarbrücken (Garage)
Do. 05.01.12 Wiesbaden (Schlachthof)
Fr. 06.01.12 Kassel (Karoshi)
Sa. 07.01.12 Limbach-Oberforna (tba)

Nach einer kurzen Ruhephase startet dann die Lesereise mit Kulla:

Di. 24.01 Leipzig, Neues Schauspiel
Mi. 25.01 Magdeburg, Cafe Central
Do. 26.01 Hannover, Cafe Glocksee
Fr. 27.01 Essen, Hotel Shanghai
Sa. 28.01 Münster, Club Nova
Di. 31.01 Jena, JG Stadtmitte
Mi. 01.02 Wiesbaden, Schlachthof
Do. 02.02 Nürnberg, Club Stereo
Fr. 03.02 München, Feierwerk
Sa. 04.02 Stuttgart, 1210
geht weiter bis 01.03.2012