um jeden preis un-p.c.?


oft finde ich bücher, die mit aller gewalt un-p.c. sein wollen, aufgesetzt und dröge. irvine welshs (bekannt durch „trainspotting“) „porno“ war so eines, welches ich nur deshalb zuende las, weil ich angefangene bücher nur schwer dem vergessenwerden überlassen kann. gekauft hatte ich es, weil es als fortsetzung von trainspotting angekündigt war.
nichts desto trotz kaufte ich mir neulich -mangels auswahl- ein anderes seiner werke: nämlich „drecksau“.
der hauptdarsteller -ein cop- setzt massstäbe an political uncorrectness!. er ist rassistisch, sexistisch und dreht von seite zu seite immer heftiger durch, was durch massiven drogenkonsum noch gesteigert wird. in seinem darm lebt ein bandwurm, welcher später über die wahrlich schlimme kindheit seines „wirts“ zu berichten weiss, allerdings ohne sein verhalten zu entschuldigen.
der autor erzählt eindrucksvoll wie sein hauptdarsteller ein netz aus absolut bösartigen intriegen spinnt, und immer tiefer im sumpf des eigenen wahnsinns versinkt. in seiner freizeit fährt der cop nach amsterdam um ungehemmt drogenkonsum und puffbesuche zu zelebrieren.
ein kurzer ausschnitt einer dieser tripps sei hier zitiert:

ich bin in ein kino gegangen und habe für eine hi-tech-kabine bezahlt. ich hab´s gemütlich. gar nicht mal schlecht, der film, ein sci-fi-streifen über extraterrestrische space lesben, die unschuldige, jungfräuliche schulmädchen aus einer amerikanischen stadt entführen; aus schulen, discos, vor einkaufszentren und so weiter, und sie zum lesbentum konditionieren, indem sie sie wiederholt zu sexakten zwingen. der langfristige plan der raffinierten alienlesben ist es, männer überflüssig und die erde zu einem lesbenplaneten zu machen, der natürlich von ihnen regiert wird. ein gutbestückter detektive und seine mannschaft von sexathleten müssen die blutjungen schulmädchen der fotzenleckerei entreissen und sie kraft ihrer schwänze wieder auf die richtige seite zurückholen. nachdem er schlieslich die schulmädchen in die heterosexualität zurückgebumst hat, stellt sich der superdetective seiner grössten herausforderung im konflikt mit den über superkräfte verfügenden kosmischen lesben. er muss sie ans andere ufer bumsen. schliesslich gibt es ein happy end. die spacelesben finden heraus, dass sie auf schwänze stehen, aber der cop räumt ein, dass lesbensex männer anmachen kann, immer vorausgesetzt, die frauen sind attraktiv und sie dürfen zusehen. also beschliessen sie, mit vereinten kräften alle homosexuellen männer auszurotten.
ganz annehmbarer streifen, und es ist schön, so einen politisch korrekten film zu sehen.

wegen dem letzten satz musste ich über diesen absatz wirklich lachen, aber weiter im text:
dieses zitat zeigt zum teil wie der cop drauf ist (zeigt er doch später noch eine völlig andere seite von sich), und irvine welsh schreibt über seinen hauptdarsteller so, dass man beim lesen zu keiner zeit, und bei keiner zeile, sympathie für eben diesen cop empfindet. das wiederum macht das buch meiner meinung nach lesenswert, zummal er am ende -bei den letzten zeilen- alles vorher geschriebene noch zu toppen weiss. es endet mit einer – allerdings ungewollten- absoluten boshaftigkeit, die selbst dem hauptdarsteller zu heftig erscheint. er ist allerdings nicht in der lage das szenario abzuwenden.

interessante randbemekung:

kurz nach erscheinen der englischen ausgabe versuchte die britische polizei, eine einstweilige verfügung gegen „drecksau“ zu erwirken, weil sie sich durch den roman beleidigt fühlte.

mein bedarf an solch einer literatur ist damit vorerst absolut gestillt.
derzeit lese ich das neue buch von rocko schamoni „sternstunden der bedeutungslosigkeit“.
soviel kann ich jetzt schon sagen: genau wie „dorfpunks“ reicht es nicht an sein erstlingswerk mit dem dem titel „risiko des ruhms“ heran, aber dazu zu einem späteren zeitpunkt mehr…

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5 Antworten auf “um jeden preis un-p.c.?”


  1. 1 Daneben 04. Mai 2007 um 10:52 Uhr

    Haha, beim MayDay in X-Berg hat mir Oberspacko Peter Nowak ’nen Anti-G8 Flyer in die Hand gedrückt, auf mein T-Shirt geguckt und gemeint: „Wie, Rahwen gegen Deutschland?“.

  2. 2 kapsler hauser 04. Mai 2007 um 10:54 Uhr

    :D

  3. 3 roi 07. Mai 2007 um 11:22 Uhr

    Leider verschenkt Welsh das Ende. Hatte beim lesen damals das Gefühl, daß ihn im letzten Drittel doch der Mut verlassen hat. So wird alles zu einem Riesenwitz (was es wahrscheinlich auch sein sollte) der den Protagonisten am Schluß als arme Sau und Opfer seiner Kindheit zeigt und dadurch die vorigen Entgleisungen als nicht verarbeitetes Kindheitstrauma relativiert. Da hätte er ruhig schonungsloser vorgehen können zumal er in der Mitte des Buches schon eine Szene untergebracht hatte (der Herzinfarkt) die den Typen, bezeichnenderweise, ein einziges Mal aus seiner ewigen Nutten, Fotzen, Koks, Neger-Litanei holt.

  4. 4 kapsler hauser 07. Mai 2007 um 11:36 Uhr

    so unterschiedlich kann mans aufnehmen. ich finde seine erklärungen entschuldigen das verhalten nicht wirklich, auch wenn im letzten drittel wirklich arg drauf rumgeritten wird. die allerletzte szene wiederum fand ich nochmal nen kracher.

    bestes,
    torsun

  5. 5 roi 07. Mai 2007 um 17:24 Uhr

    stimmt, die letzte Szene ist derb :)

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