im dienste der aufklärung…

…machte ich vor etlichen jahren ein kleines experiment mit einer droge, welche in vielen deutschen vorgärten zu finden ist:

(hab das bild getauscht, da beim anderen ein copyright-symbol war)
der engelstrompete, über die auf der internetseite psychosezentrum.de folgendes zu lesen ist:
„Der durch die Engelstrompete verursachte Rausch ist sehr stark. Da der Konsument im Rausch nicht mehr zwischen Realität und Halluzination unterscheiden kann, kann es schnell zu selbstgefährdenden Verhaltensweisen kommen! So kann kann der Konsument möglicherweise glauben, unsterblich zu sein oder fliegen zu können und probiert dieses dann auch aus. Aus eigener Erfahrung kann berichtet werden, daß ein Konsument, der sich für einen Fisch hielt, beinahe ertrunken wäre!“

wäre zur damaligen zeit das internet so weit verbreitet gewesen wie in heutigen tagen, hätte ich mir diese erfahrung evt erspart. so allerdings begab ich mich auf eine reise, welche ich nimmermehr wiederholen werde, obwohl sie im nachhinein doch sehr amüsant erscheint.

ich wohnte damals in einem „punkerhaus“ einer kleinen stadt in südheszen, welche für den masziven drogenkonsum ihrer einwohner einen doch recht zweifelhaften ruf genosz. ein mitbewohner und ich hatten uns einige der blüten der engelstrompete organisiert, von deren wirkung wir schon so vieles gehört hatten und aszen sie. einige zeit später sollte die wirkung einsetzen und bei uns beiden für ein gehöriges masz an verwirrung sorgen, fanden wir uns doch plötzlich vor einem baum wieder, aus deszen stamm ein riesiges stück rausgebiszen worden war.
wir erforschten diesen baum aufs genaueste indem wir die zahnabdrücke am stamm abtasteten. daraufhin verstrickten wir uns in eine -mir sehr lang erscheinende- debatte darüber, welches wesen solch ein mächtiges gebisz haben könnte. zu einer befriedigenden antwort gelangten wir allerdings nicht, obwohl sich anhand der biszspuren die anatomie des gebiszes recht gut rekonstruieren liesz. da wir furcht in uns aufkeimen spührten, beschloszen wir weiterzuziehen. auf unserem weg durch das kleine städchen kamen wir an eine brücke über ein kleines bächlein und schauten hinunter. was wir dort zu sehen bekamen, liesz uns erschaudern. am rande des bächleins tummelte sich eine riesige ratte. sie war nicht einfach nur grosz, sondern im wahrsten sinne des wortes riesig. hätte sie ein anderesz gebisz ihr eigen genannt, wären wir sicher gewesen, dasz sie das stück aus dem baumstamm gebiszen hatte. da sie uns zum glück nicht gesehen hatte, traten wir leise aber dennoch schnellen schrittes die flucht an.
ich für meinen teil hatte nun genug und wollte wieder nach hause in die wohlige sicherheit meines zimmers, und gemeinsam machten wir uns auf den weg. im haus angekommen fanden wir einen mitbewohner vor, welcher im flur auf dem boden lag und schwimmbewegungen machte. auf unsere anfrage was er denn da treibe, herrschte er uns an ruhig zu sein, da er noch etliche kilometer vor sich hätte. später erfuhren wir, dasz auch er sich an den alkaloiden atropin und scopolamin gütlich getan hatte. wir folgten seiner aufforderung und verzogen uns in mein zimmer und setzten uns auf mein bett.
zu meinem damaligen zimmer ist zu sagen, dasz ich es im lsd-rausch in den buntesten farben gestrichen hatte. eine wand zeigte eine unterwaszerlandschaft in der verschiedene bunte fische fröhlich umherschwammen (erstaunlich: vergleiche erfahrung im oben erwähnten text des psychosezentrums). jetzt ertappte ich mich dabei, dasz ich öfter meinen kopf in die höhe streckte um nach luft zu schnappen. meinem begleiter erging es nicht viel anders und wir vermuteten, dasz auch mein mitbewohner im flur anscheinend meinem zimmer einen besuch abgestattet haben muszte. hier konnten wir definitiv nicht bleiben, also zogen wir in das spärlich eingerichtete zimmer eines anderen mitbewohners und zogen erst einmal die naszen sachen aus, die wir gegen trockene aus dem repertoire des okupierten zimmers austauschten. mir reichte es! ich löschte sämtliche lichter um die äuszeren reize auf ein minimum zu reduzieren und versuchte zu schlafen, was mir auch gelang (vermutlich nur deshalb, weil wir uns für eine sehr geringe dosis entschieden hatten).
das letzte an das ich mich erinnern kann, ist folgendes:
später in der nacht erwachte ich noch einmal aus meinem schlaf und fand meinem rauschkumpanen fernsehend und mit dem nachrichtensprecher streitend vor. schnell drehte ich mich um und schlief weiter.

als ich am nächsten morgen erwachte (in wirklich unansehnlichen klamotten) war alles glücklicherweise wieder normal. die halluzinationen waren abgeklungen und auch mein mitstreiter schien friedlich zu schlafen.
als er später erwachte, erläuterte er mir die tematiken, über die er mit dem nachrichtensprecher uneins gewesen war.
wir tranken kaffee und beschloszen dieses experiment niemals mehr zu wiederholen!
daran hab ich mich bis heute gehalten und werde das auch in zukunft so handhaben.

fazit: nix gut!

p.s.: der eintrag vorher mit dem titel „audiobeispiel“ ist hier aus versehen gelandet, war er doch nur als erinnerungshilfe wie man songs im player einfügt gedacht. deshalb hab ich ihn wieder gelöscht.

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22 Antworten auf “im dienste der aufklärung…”


  1. 1 T zum ioum 08. September 2006 um 13:12 Uhr

    Atropin ist eine sehr unangenehme Geschichte. Niedrige Dosis führte zu einigen Stunden(?) Fernsehschauen in einem Zimmer ohne Fernseher und zu einem ständigen sich wehren gegen allerlei Insekten, die in dem Zimmer herumschwirrten. Ein guter Freund von mir hat sich das Zeug (also in dem Falle Tollkirschen) an Weihnachten reingehauen und ist mit seinen Eltern abgehangen: Totalfiasko, welches bis heute anhält. Ein anderer hat berichtet, dass er sich einige Stunden nach Einnahme in einem Bahnhofskiosk wiederfand, auf einem umgeworfenen Gestell liegend und mit einem Polizisten streitende: Psychiarieeinlieferung. Nix gut.

  2. 2 torsun 08. September 2006 um 13:16 Uhr

    hi tioum,

    da sind wir ja zum selben fazit gekommen!

    ein früherer freund von mir erlebte unglaubliches auf stechapfel:
    er feierte die ganze nacht eine party mit allem drum und dran. nur war er eigentlich alleine im zimmer. seine mutter traf ihn am nächsten morgen an, als er die gegenüberliegende wand um eine kippe anschnorrte.

    echt gefährlich…

  3. 3 gratiswodkanutte 08. September 2006 um 13:34 Uhr

    hat die wand ihm ne kippe gegeben? wände sind ja immer so saucool…
    ich finde ja, dass ihr ein wenig überdramatisiert. aber wer hätte auch anderes von mir erwartet…
    und außerdem: wer sein zimmer im stile einer fröhlich-bunten unterwasserlandschaft streicht, beim dem scheint schon vorher einiges im argen gelegen zu haben. mein zimmer war ja immer komplett schwarz. aber vielleicht hab ich auch einfach die falschen drogen genommen. also alle.

  4. 4 torsun 08. September 2006 um 13:42 Uhr

    hey gratiswodkanutte,

    die wand selbst nicht. eine imaginäre person an dieser allerdings schon. desweiteren hat er auf dieser party auch etliche biere verpeilert und und und…

    mein vormieter dieses zimmers hatte es auch komplett schwarz gestrichen (sogar die fenster schwarz besprüht). vielleicht wollte ich deshalb alles bunt als gegenmodell…

  5. 5 T zum ioum 08. September 2006 um 13:59 Uhr

    gratiswodkanutte:

    Das war ja bloss mal ne Beschreibung, noch keine Wertung. Naja, Totalfiasko vielleicht, aber wenn einem permanent ein Hochgeschwindigkeits-Zug durch den Kopf rast (und das regelmässig auch noch etwa 10 Jahre nach dem Erlebnis – so zumindest erklärt das jener Freund), dann trifft die Umschreibung vermutlich schon in etwa zu.

    BTW: Das eigentlich beängstigende Ist me. nichtmal unbedingt, die vollkommen irreale Erfahrung, die man aus der Distanz klar von der Realität abgrenzen kann. Eindrücklicher ist fast, wenn man versucht einzuschlafen und plötzlich nicht mehr alleine im Kopf ist und sich dann erklärt, dass da ja gar niemand sonst sein kann (ziemlich klein, so ein Kopf). Noch während man sich das aber sagt, merkt man, dass man das ja wiederum zu jemandem sagt und so weiter und so weiter. Sehr verworren und verstrickt.

  6. 6 torsun 08. September 2006 um 14:06 Uhr

    jau tioum,

    „verworren und verstrickt“ triffts ganz gut. man ist überhaupt nicht in der lage all das aufzuschreiben, was in so einem zustand alles los ist. das schlimmste ist halt echt, dasz man im gegensatz zum acid-rausch nicht zwischen hallu und realität unterscheiden kann…

    bestes,
    torsun

  7. 7 gratiswodkanutte 08. September 2006 um 14:09 Uhr

    ich bin in dieser hinsicht ja eher der kontrollfreak. ich hab mich immer sehenden auges und in vollem bewusstsein in diese form des wahnsinns hineinbegeben, was dazu führte, dass ich mir über einige zeit beim verrückt-werden zugesehen habe. die kurve hab ich dann nur mit einer länger andauernden morphium-intoxikation gekriegt. war dann irgendwie ne sehr entspannte zeit.
    die wirklich krassesten erfahrungen habe ich persönlich in der kombination lsd-meskalin-sensorische deprivation-tantra-yoga gemacht. jaja, so war ich mal drauf.

  8. 8 torsun 08. September 2006 um 14:12 Uhr

    „kombination lsd-meskalin-sensorische deprivation-tantra-yoga“

    haha klingt das geil! was ist da pasziert?

    lg,
    torsun

  9. 9 gratiswodkanutte 08. September 2006 um 14:29 Uhr

    ich bin umgekippt – aus dem schneidersitz –, hab mir dabei tierisch den kopf gestossen und mir vom bett aus zugesehen, wie ich versucht habe, aus dem zimmer zu „fliegen“. dabei habe ich mir allerdings auch permanent den kopf gestossen – das habe ich auch auf dem bett liegend gemerkt. am nächsten tag war mein schwarzes zimmer über und über mit absurden okkulten sprüchen und zeichen bemalt – kein witz. „nichts ist wahr, alles ist erlaubt“.

  10. 10 torsun 08. September 2006 um 14:38 Uhr

    krasz! uhla, glücklicherweise hab ich es nie so doll getrieben…

    das letzte zitat ist von crowley, oder?

  11. 11 pst 08. September 2006 um 14:56 Uhr

    haha, ich hab mal beim zivilehrgang einen typ getroffen, der vor jahren diese blume gekaut hatte. der meinte, er wäre plötzlich in einem zimmer mit schachbrettboden gewesen und sich dort mit leuten unterhalten. dann wollte er eine treppe heruntergehen, die sich aber leider plötzlich aufgelöst hat und wirbelnd weggeflogen ist. aufwachen im schachbrettzimmer, nächster versuch. er ist jedesmal ein bisschen weiter gekommen, z.b. ins untergeschoss, aus dem haus raus usw., wachte aber immer wieder in diesem zimmer auf, unter anderen nach gefühlten wochen- oder monatelangen „normalen“ erfahrungen. wir sassen also rauchend auf diesem lehrgang und er meinte, er sei sich nicht sicher, ob das jetzt wirklich alles vorbei ist und ob wir vor ihm echt existieren oder ob er nicht gleich wieder in seinem schachbrettzimmer aufwacht und wir uns in luft aufgelöst haben. aus diesem grund legte er auch nicht viel wert auf vertiefte zwischenmenschliche kontakte. man kann ja nie wissen.
    ich fand es ganz schön schwierig ihn davon zu überzeugen, dass ich echt existiere und nicht nur seine halluzination bin. oder doch nicht?

  12. 12 gratiswodkanutte 08. September 2006 um 15:13 Uhr

    @ torsun: ich glaube, das zitat stammt von hassan il sabah, dem alten von dem berge, wird aber von allen möglichen spinnern gerne zitiert, auch von crowley. der sagte lieber „tu was du willst soll sein das ganze gesetz“.
    @ pst: anfassen hilft nicht?

  13. 13 torsun 08. September 2006 um 15:19 Uhr

    „anfassen hilft nicht?“

    eben nicht bei engelstrompeten, nach meiner erfahrung. wir haben damals ja z.b. auch den baum angefaszt und das waszer sowie unsere naszen kleider körperlich gespührt… soweit mich meine erinnerung nicht trügt.

  14. 14 pst 08. September 2006 um 15:25 Uhr

    naja, wir haben ihm zum beispiel versuchtzu erklären, dass wir für uns ja auch erinnerungen und damals rund 19 jahre leben hinter uns hatten, und das das ja nen bisschen viel wär, wenn er sich das alles auf trip ausgedacht hätte. er hat das aber ganz lässig gekontert mit dem hinweis, er hätte gefühlte monate oder gar jahre mit der trompete erlebt und ist dann wieder aufgewacht.. was soll man da noch sagen?

  15. 15 soft-brain 08. September 2006 um 16:09 Uhr

    Engelstrompeten haben mal Freunde von mir ausprobiert an einem Abend, an dem ich krank im Bett lag. 2 von denen hatten danach echt Probleme. Einer von beiden hatte danach eine starke Psychose, wollte uns alle umbringen, und war 1 Jahr in der Geschlossenen….
    Der Andere hat seitdem gar keine Drogen mehr zu sich genommen, weil er immernoch Angst hat vor den Zuständen die er miterleben musste.

  16. 16 pst 08. September 2006 um 16:22 Uhr

    ich kenn noch ne geschichte, marke „habichmalgehört“.. im schönen nordhessen haben vor vielen jahren ein paar wahnsinnge in spe aus den trompeten einen dicken grünen sud gekocht und den saft abends in einer colaflasche mit sich geführt. ein betrunkener stolperte vorbei, griff sich das ding und halbleerte es zügig, bevor die entsetzte runde eingreifen konnte. der arme kerl entblösste sich später vor einer diskothek und pinkelte munter herumsitzende jugendliche an. resultat: längere einweisung.

    hat denn irgendwas positives über das zeug zu berichten?

  17. 17 hoerm 08. September 2006 um 16:49 Uhr

    ich glaub den kenn ich. der hat dann spaeter in einem wohnhaus in einer nordhessischen kleinstadt versucht seine verfolger loszuwerden indem er den alle sicherungen klaute. kein strom, keine ueberwachung.
    einleuchtend

  18. 18 revanche 08. September 2006 um 18:44 Uhr

    Mehr oder weniger positiv:
    Halbe Flasche geleert und nix gemerkt…

  19. 19 T zum ioum 08. September 2006 um 19:11 Uhr

    revanche: Wenn man deinen Blog so liest, mag man das nicht zu 100% glauben. ;)

  20. 20 torsun 08. September 2006 um 19:14 Uhr

    uuhhh böse… sorry, aber ich muszte grade heftig loslachen. :D

  21. 21 torsun 08. September 2006 um 19:19 Uhr

    tioum,
    ich hab deine alte seite mal aus meinen links gekickt und deine neue gesetzt.

  22. 22 T zum ioum 09. September 2006 um 1:31 Uhr

    Man dankt. Ich werd den künftig – hoffentlich – auch wieder fleissiger füttern, der arme Kerl hungert.

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